impressionen zur midissage „HITZEFREI”

Am 24. Juli 2020 fand unsere Midissage zur Ausstellung „HITZEFREI” – Arbeiten auf Papier – statt. In dieser ersten Gruppenausstellung werden die Arbeiten der Künstler unserer Galerie vorgestellt.

alvar beyer – „installation korona”

Ab sofort können Sie die „Installation Korona" von Alva Beyer – die während unseres 2. Kunstaustausch-Abend am 28. Mai 2020 fertiggestellt wurde – bei uns in der Galerie bewundern. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

sonnenwelt – alvar beyer

30. april bis 02. juni 2020

Alvar Beyer wurde 1970 in Weimar geboren, studierte von 1991 bis 1996 Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Prof. Arno Rink, Prof. Rolf Münzner und Neo Rauch. 1996/97 war er zum Studienaufenthalt in Frankreich an der École des Beaux Arts de Lyon und von 1996/98 Meisterschüler an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.  Alvar Beyer lebt heute in Potsdam und arbeitet in Berlin. Wir freuen uns, ihn als seine neue Galerie, zukünftig in der Stadt zu vertreten, in der er arbeitet. Unser Ziel ist es, die Galerie zu werden, die dauerhaft mit ihm zusammenarbeitet und seine Position im Kunstmarkt kontinuierlich ausbaut, um ihm die Präsenz zu geben, die ihm unseres Erachtens gebührt.

 

Bei Alvar Beyer spielt die Auseinandersetzung mit dem ursprünglichen, natürlichen Raum eine zentrale Rolle. Die Eindrücke seiner ausgedehnten Reisen und Expeditionen in weitgehend vom Menschen unberührte Landschaften in Zentralasien, der Himalayaregion und Sibiriens finden sich unmittelbar in seinen Werken wieder. Diese sehr intensiven Erlebnisse, welche durch weitere Auseinandersetzungen mit Landschaften und vom Menschen geschaffenen Strukturen in Architektur und Landschaft ergänzt werden, prägen seine Bildwelten. 

 

Sonnenwelt steht für seinen Blick auf die Welt. Eine Welt aus der wir bestehen, aus der wir uns entwickeln – aus der sich letztlich alles entwickelt. Die von einem intensiven warmen, orangefarbenen Licht überstrahlte Landschaft, in der sich eine Polarität in Form einer Spiegelung zeigt, schafft eine artifizielle, surreale Stimmung. Der in der Kunst vertraute Kunstgriff der Spiegelung bewirkt zudem eine meditative Atmosphäre. Alvar Beyers Arbeit ist Metapher einer fragilen Balance zwischen Individuum und Lebenssphäre. Sonnenwelt fügt sich somit exemplarisch in den Kosmos der Malerei Alvar Beyers ein.

 

In der Reihe der Malereien Voralp verarbeite er direkte Naturerlebnisse im Schweizer Kanton Uri. Wie im Bild Sonnenwelt herrscht auch in diesen Bildern eine Polarität. Diese wird durch die gewählte Bildform des Diptychons noch verstärkt. Aus der Mitte eines Tales steigen die Silhouetten der Berge zu beiden Seiten empor und vereinigen sich in der Bildmitte zum höchsten Punkt. Mit einer wunderbar freien und seismographisch anmutenden Linienführung übersetzt der Künstler den Natureindruck in seine Malerei. Die Bilder vermitteln einen Bezug zur Realität, bestehen jedoch aus völlig abstrakten Bildelementen. Die teils nur noch zu erahnenden Bildelemente geben Beyers Malereien eine metaphysische Aura.

 

Die Malerei „Zhū“ (chinesisch: Schwein) steht für das Glück. Über einer aus geometrischen Formen bestehenden Gebirgsformation, bildet sich – einer Sprachblase gleich – eine Wolke. Das chinesische Schriftzeichen ist ähnlich wie in der Arbeit Corona scheinbar aus benutzten Klebebändern entstanden, aber auch hier vermischen sich Schein und Wirklichkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GAMA – ein künstler zwischen der mongolei und berlin

Bäume tauchen in vielen Bildern von GAMA auf. Und Innenräume. Sie haben ihn früh fasziniert. Denn GAMA hat die ersten sieben Jahre seines Lebens in der zentralasiatischen Steppe verbracht. Die Familie zog mit ihren Tieren durch die baumlose Graslandschaft der Mongolei. Dann gaben seine Eltern ihr Nomadenleben auf und schickten ihren einzigen Sohn in die Schule. Damals sah er den ersten Baum seines Lebens. „Eine Birke“, sagt er fast schon andächtig. Und zum ersten Mal betrat er einen fest gebauten Raum aus Stein. Ein Kulturschock. „Seither male ich gerne Innenräume“, erzählt der sympathische 43-Jährige, den der Kontrast zur Natur reizt.  

In der chinesischen Schule mit 50 Schülern in einem Raum saß GAMA, der stille Außenseiter, ganz hinten – und malte. Seine Bilder zeigten Hinterköpfe, die er so treffend auf das Papier bannte, dass die Mitschüler eindeutig zu erkennen waren. Das zeichnerische Talent begeisterte den Kunstlehrer, der GAMA nicht nur sehr gute Noten gab, sondern ihn auch förderte und ermunterte. Er unterstützte GAMAs Bewerbung an der Kunsthochschule in Peking. „Jedes Jahr versuchen 20.000 Bewerber dort angenommen zu werden, aber nur zwölf schaffen es“, erzählt GAMA stolz. Denn er schaffte es und reiste in das ferne Peking. 

Mit seinen beeindruckenden Wolkenkratzern, den langen Zügen und Straßenbahnen wieder ein Kulturschock. „Und zum ersten Mal habe ich andere Kinder getroffen, die besser malen konnten als ich“, so GAMA weiter. Auf dem anstrengenden Lehrplan stand viel Technik und Kunstgeschichte. „Dort habe ich sehr akademisch Malen gelernt“, erzählt er von seinem Weg zur Kunst. Perfekte Technik, um perfekte Menschen im sozialistischen Realismus zu malen. „Für mich waren das tote Menschen, ohne Leben.“ 

Ölmalerei hätte GAMA zu gerne besser kennengelernt. „Aber in ganz China gab es keine Originalwerke“, klagt er. Kurz vor dem Diplom besuchte er die Deutsche Botschaft und stieß dort auf viele Kunstkataloge, unter anderem von Gerhard Richter und Baselitz. „Die deutschen Künstler haben mich total umgehauen“, schwärmt er noch heute. „Da habe ich kapiert, dass Kunst Freiheit ohne Grenzen ist!“ Von da an wollte er nur nach Deutschland. Frankreich oder die USA hätten ihn nicht so gereizt. 

GAMA bewarb sich und erhielt ein Sprachvisum für Deutschland. In Freiburg lernte er ein Jahr lang Deutsch. „Um mich zu finanzieren, musste ich oft für zwei, drei Euro pro Stunde als Tellerwäscher arbeiten - schwarz“, berichtet er, da seine Eltern zu arm waren, um ihn zu unterstützen. Doch GAMA hatte eine Vision: „Ich wollte an einer deutschen Kunsthochschule studieren und lernen.“ Und tatsächlich gelang es ihm. „Ich habe mich an allen Akademien beworben und wurde fast überall angenommen“, schwärmt er stolz. Doch in den meisten Städten seien die Mietpreise zu hoch gewesen. Deshalb habe er sich für Karlsruhe entschieden, dort gab es günstige Zimmer. Als Student konnte er nun auch normal arbeiten und seinen Unterhalt verdienen. 

Was ihn am meisten beeinflusst hat? Die verschiedenen Kulturschocks auf jeden Fall und sein Weg zur Freiheit von der Mongolei über China nach Deutschland. „Freiheit hat mich wahnsinnig in meiner Kunst beeinflusst“, ist sich GAMA sicher. Als er in Deutschland sein Studium begann, habe es ihn sehr überrascht, dass deutsche Kunststudenten ihre Freiheit gar nicht nutzten. „Für mich ist Freiheit sehr wichtig!“, betont der 43-Jährige, dessen Vorname übrigens „Stern“ bedeutet. 

Die Deutsche Spätromantik fasziniere ihn sehr: Lenbach, Schwind oder Spitzweg, aber auch Frühromantiker wie Caspar David Friedrich. Sie zitiert er immer wieder in seinen Werken. Die Kontraste, die er in seinem Inneren vereine, spiegelten sich in seinen Werken wider: Ost und West, Innen und Außen, Natur und Bauwerke, Abstraktion und Figuration. „Ich versuche, östliche Kultur und westliche Begriffe zu verbinden“, erläutert GAMA. 

Ebenso spielten Glaube, Schamanismus und Buddhismus in seiner Kunst eine große Rolle. „Pilze stehen für die buddhistische Wiedergeburt. Pilze sind weder Tier noch Pflanze und sie sterben nicht, Pilze kommen immer wieder“, erläutert er das häufig wiederkehrende Motiv in seinen Bildern. Dazu gehört auch der Hirsch. „Das Tor zwischen unserer Welt und der Geisterwelt wird von ein bis zwei Hirschen bewacht“, erzählt GAMA. Wenn ein Schamane einen kranken Körper heilen wolle, dann müsse er in die Geisterwelt wechseln und dort die Seele heilen. Der Körper werde dann automatisch gesund. Auch der Totenkopf taucht immer wieder in seinen Bildern auf.  „Er steht für Leben und Tod, beides gehört zusammen, so wie Ying und Yang, Gut und Böse, Tag und Nacht“, erläutert der Vater zweier Kinder. 

Wie er seine Themen findet? „Das ist ganz einfach“, lächelt der Künstler, „ich schließe meine Augen und schon habe ich eine Idee“. Es dauere dann ein bis zwei Wochen, bis er sie im Kopf ausgearbeitet habe. Das Malen sei dann in drei Tagen erledigt, er sei schließlich technisch perfekt ausgebildet. Am liebsten arbeite er in Öl und mit Acryl-Mischtechniken. Für seine großformatigen Farbholzschnitte habe er eine eigene Technik entwickelt, für die er nur eine einzige Vorlage anfertigen müsse. Normalerweise wird für jede Farbe eine Vorlage benötigt. 

Sein nächstes Ziel ist, mit seiner Galerie hilleckes probst bei der Art Basel dabei zu sein. „Das ist wie ein Ritterschlag!“     

GAMA zeigt bei hilleckes probst derzeit eine Auswahl seiner Werke. Die Ausstellung heißt „Fremdwald“ und ist noch bis zum 25. April zu sehen. 

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